Der Ruf des Rotkehlchens
Manchmal beginnt ein neuer Weg nicht mit einem großen Zeichen,
sondern mit einem kleinen Lied.
Es war ein stiller Morgen, als sie bei ihren Pferden stand
und ein Rotkehlchen auf dem Zaun landete.
Es sah sie an – ruhig, wach, beinahe wissend – und sang.
Etwas in diesem Moment berührte sie tief.
So, als hätte dieses kleine Wesen genau gewusst,
dass sie bereit war, etwas Neues zu hören.
Von da an begegnete es ihr immer wieder.
Im Garten, im Wald, auf ihren Wegen.
Es zeigte sich, wenn sie zweifelte, und verschwand,
wenn sie vertraute.
Und jedes Mal, wenn sie es sah, wusste sie: Ich bin geführt.
Als sie ihre ersten Gäste zum Waldbaden begleitete,
saß das Rotkehlchen am Eingang des Waldes.
Still, wachsam, freundlich.
Es begrüßte die Menschen mit seinem hellen Lied und wartete,
bis sie den Wald wieder verließen –
als würde es den Raum hüten, den sie gemeinsam mit der Natur öffnete.
Seitdem ist das Rotkehlchen ihr Begleiter.
Manchmal sichtbar, manchmal nur spürbar.
Und immer dann, wenn Zweifel in ihr aufsteigen, klingt sein Lied in ihr nach:
Vertrau.
Du bist auf deinem Weg.
Ende
Manchmal ruft dich das Leben ganz leise.
Nicht mit lauten Worten, sondern mit einem Flügelschlag, einem Lied, einem Gefühl von „da ist etwas für mich“.
So begann meine Begegnung mit einem kleinen Rotkehlchen – und mit einem neuen Weg.
Es zeigte sich mir immer wieder: bei meinen Pferden, im Garten, am Waldrand.
Als ich mein erstes Waldbaden leitete, saß es am Eingang des Waldes –
begrüßte uns, und wartete, bis wir wieder hinausgingen.
Wie ein kleiner Hüter zwischen den Welten.
Seitdem begleitet es mich.
Manchmal sichtbar, manchmal nur spürbar.
Es begleitet mich so liebevoll, dass es auch schon Menschen um mich herum aufgefallen ist.
Zauberhaft - und gleichzeitig zeigt es mir, wie sehr wir mit allem verbunden sind. Und wie geführt wir im Leben sind.
Und immer dann, wenn ich zweifle, erinnert es mich daran:
Vertrau. Du bist auf deinem Weg.
Wann hat dich die Natur zuletzt gerufen?
Kennst du solche Zeichen in Deinem Leben?
Waldgeschichte und Text von Ina Drießen 2025

